Der folgende Text entstammt der NRW-Nachhaltigkeitsstrategie von Juni 2016. Die Landesregierung plant, diese Strategie im Jahr 2018 weiterzuentwickeln.

Umweltwirtschaftsstrategie

Mit der Umweltwirtschaftsstrategie unterstützt die Landesregierung die Unternehmen und Regionen in Nordrhein-Westfalen dabei, die Erschließung nationaler und internationaler Märkte der Umweltwirtschaft erfolgreich fortzusetzen und die Potenziale des Umweltschutzes für Wirtschaft und Beschäftigung nutzbar zu machen.

Arbeiten an der Maschine

Die Umweltwirtschaft umfasst alle Unternehmen, die umweltschützende bzw. umweltfreundliche und ressourceneffiziente Produkte und Dienstleistungen anbieten 5 . Als Querschnittsbranche setzt sie sich aus klassischen Wirtschaftszweigen zusammen. Die thematischen Schwerpunkte der Umweltwirtschaft erstrecken sich von der nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft über klassische Bereiche wie Abwasser-und Abfallbehandlung sowie Minderungs- und Schutztechnologien bis hin zu neuen Branchen wie umweltfreundlicher Mobilität und Erneuerbaren Energien.

NRW ist nach dem von Prognos erstellten Umweltwirtschaftsbericht NRW mit rund 320.000 Erwerbstätigen, 70 Mrd. € Umsatz und einer Bruttowertschöpfung von 23,4 Mrd. € größter Anbieter umweltwirtschaftlicher Produkte und Dienstleistungen in Deutschland.

Bereits heute ist jeder 20. Arbeitsplatz in NRW in der Umweltwirtschaft angesiedelt. Die Umweltwirtschaft bietet deshalb Chancen für etablierte Unter nehmen der verschiedensten Branchen und öffnet zugleich Räume für innovative Neugründungen in den unterschiedlichsten Märkten.

Die Umweltwirtschaft Nordrhein-Westfalen ist eine Wachstumsbranche. Die Zahl ihrer Erwerbstätigen stieg von 2009 bis 2012 mit 5,4 % stärker an als die in der Gesamtwirtschaft Nordrhein-Westfalens.

Mit Ausfuhren in Höhe von 8,53 Mrd. € im Jahr 2012 nimmt der Export einen hohen Stellenwert für die in der Umweltwirtschaft getätigten Umsätze ein. Nordrhein-Westfalen kommt dabei auf einen Weltmarktanteil von 2,1 % (Deutschland insgesamt: 12,9 %). Die Exportquote betrug 2012 17 %.

Die Analyse der Patentanmeldungen attestiert der Umweltwirtschaft in Nordrhein-Westfalen ein hohes Innovationspotenzial. Mit 4,6 Patenten je 1.000 Erwerbstätigen ist das Innovationspotenzial ähnlich hoch wie z. B. im Maschinenbau. Allein für das Jahr 2012 konnten rund 1.500 umweltwirtschaftsrelevante Patent anmeldungen aus Nordrhein-Westfalen identifiziert und zugeordnet werden.

Informationsstand Umweltwirtschaft

Wichtige Wechselwirkungen zu anderen Handlungsfeldern

Das Portfolio der Umweltwirtschaft Nordrhein-Westfalens umschreibt einen umfassenden Katalog von Produkten, Dienstleistungen und Technologien mit (un)mittelbarem Umweltnutzen. Die Akteure der Umweltwirtschaft können damit helfen, Antworten auf globale Herausforderungen zu finden.

Die Digitalisierung schafft intelligente Systeme, die Potenziale zur Energieeinsparung und für flexible Energiesysteme zur optimalen Nutzung Erneuerbarer Energien (Smart Grids) eröffnen. In der industriellen Produktion können Prozesse und Produktlebenszyklen besser gesteuert werden. Die Landwirtschaft wird mit Unterstützung durch IT-Systeme effizienter und schonender.

Sowohl der Klimaschutz als auch die Anpassung an die Folgen des Klimawandels haben bereits neue Märkte geschaffen und eröffnen weitere Geschäftsperspektiven für Unternehmen der Umweltwirtschaft, z. B. in den Bereichen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, umweltfreundliche Mobilität oder Wassermanagement.

Die Verknappung von Ressourcen wirkt als Innovationstreiber. Schlüsselbereiche sind dabei Materialeffizienztechnologien und Lösungen zur effektiven Wiedergewinnung genutzter Rohstoffe. Gleichermaßen werden nachwachsende und umweltfreundliche Materialien als Substitute, Erneuerbare Energietechnologien und effiziente Wasserinfrastrukturen nachgefragt.

Durch die Globalisierung rücken Exportmärkte noch stärker in den Vordergrund. Für Nordrhein-Westfalens Umwelt wirtschaft haben Innovationen und Technology Leadership eine hohe Bedeutung. Produkten und Dienstleistungen wird auf den globalen Märkten eine hohe Flexibilität und Spezialisierung abverlangt.

Das globale Bevölkerungswachstum würde in einem Business-as-usual-Szenario zu einem Anstieg des Ressourcen verbrauchs und der ökologischen Belastungen führen. Daher wächst der Bedarf an material- und energie effizienten Produktionsverfahren sowie an Umwelt schutztechnologien. Mit der Urbanisierung wachsende Agglomerationen und Megacities benötigen innovative infra strukturelle Antworten, insbesondere in den Bereichen Entsorgung, Mobilität und Wasserversorgung.

Nicht zuletzt befördern Wertewandel und Konsummuster die Zukunftserwartungen der Umweltwirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Ein umweltbewusstes Konsumverhalten generiert direkt oder indirekt eine Nachfrage nach Produkten der Umweltwirtschaft. Umweltpolitische Forderungen wiederum wirken als Treiber auf regulative Steuerungsmechanismen, die ihrerseits die Nachfrage nach Umweltwirtschaftsprodukten beeinflussen.

Mittelfristige Ziele

Nordrhein-Westfalen soll sich zu einem national und international führenden, innovativen Standort für klima- und umweltorientierte Produkte, Dienstleistungen, Technologien und Verfahren entwickeln.29

Dies soll sich bis 2025 in einer Steigerung der Erwerbstätigenzahl der Umweltwirtschaft im Sinne des Umweltwirtschaftsberichts NRW auf 420.000 Erwerbstätige sowie einer substanziellen Steigerung der Bruttowertschöpfung der Umweltwirtschaft niederschlagen.

Maßnahmen/Instrumente/Finanzen

Für die Umweltwirtschaftsstrategie werden umfassende, detaillierte und aktuelle Informationen für Nordrhein-Westfalen und seine Regionen gebraucht. Mit dem Umweltwirtschaftsbericht, als Teil der Umweltwirtschaftsstrategie des Landes, verfolgt die Landesregierung das Ziel, die Stärken und Potenziale der Branche im Bundesland und seinen Teilregionen zu benennen und relevante Zukunftsmärkte abzugrenzen.

Auf Grundlage eines offenen Konsultationsverfahrens soll ein Masterplan der Umweltwirtschaft für Nordrhein-Westfalen vorgelegt werden. Dieser fasst die Maßnahmen im Rahmen der Umweltwirtschaftsstrategie zusammen und regelt ihre konkrete Umsetzung. Dazu werden Standort und Wirtschaftsforen mit den Unternehmen, Verbänden und Wirtschaftsförderungen in Nordrhein-Westfalen gestartet. Vorhandene Instrumente, neue Maßnahmen-vorschläge und Handlungsansätze sollen mit allen Beteiligten landesweit diskutiert, konkretisiert und im Masterplan Umweltwirtschaft verdichtet werden.

Ein Katalog mit Handlungsansätzen zur Stärkung der Umweltwirtschaft in Nordrhein-Westfalen soll den landesweiten Konsultationsprozess zum Thema unterstützen. Darin werden auf Grundlage des Umweltwirtschaftsberichts abgeleitete Handlungsansätze formuliert und zur Veranschaulichung mit aktuell laufenden Maßnahmen beispielhaft hinterlegt. Sie bilden den strategischen Rahmen für eine intensive Diskussion der künftigen Maßnahmen und Schritte, die in den Masterplan Umweltwirschaft Eingang finden sollen.

Als eine erste Maßnahme hat die Landesregierung daher die Förderpolitik neu ausgerichtet und den Bereich Klimaschutz- und Umweltwirtschaft gestärkt. Bis 2020 stehen dafür im Rahmen der Umweltwirtschaftsstrategie rund 800 Mio. € zur Verfügung.

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