Politik und Verwaltung

„Die Landesverwaltung muss mit gutem Beispiel vorangehen“

Wie können Verwaltungen ein eigenes Nachhaltigkeitsmanagement umsetzen? Mit dieser Frage befasste sich das Projekt „Nachhaltige Verwaltung der Zukunft“ des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW. Wir sprachen mit dem Projektleiter Gero Oertzen über die Ergebnisse des Projekts sowie über Nachhaltigkeitspotenziale und -herausforderungen von öffentlichen Einrichtungen.

 

Gero Oertzen vom LANUV NRW leitete das Projekt "Nachhaltige Verwaltung der Zukunft".
© LANUV NRW

 

Herr Oertzen, das LANUV nimmt mit dem Projekt „Nachhaltige Verwaltung der Zukunft“ eine Vorreiterrolle für nachhaltigere Behörden in NRW ein. Warum sind Verwaltungen in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung so wichtig?

Die Landesverwaltung muss bei ihrem eigenen Handeln mit gutem Beispiel vorangehen, wenn wir die Menschen in Nordrhein-Westfalen zu einem nachhaltigeren Handeln bewegen möchten. Mit den rund 550 Behörden und Einrichtungen der Landesverwaltung und ihren rund 240.000 Mitarbeitenden bietet sich ein riesiger „Hebel“ für konkrete Verbesserungsmaßnahmen. So beschafft die öffentliche Verwaltung in NRW jährlich Waren, Bau- und Dienstleistungen im Wert von ca. 50 Mrd. Euro und bietet damit ein riesiges Potential für eine Veränderung im Sinne der nachhaltigen Entwicklung.

Im Rahmen des Projekts wurden fünf Handlungsfelder für eine nachhaltige öffentliche Verwaltung festgelegt: Mobilität, Personalmanagement und -entwicklung, Kantinenbetrieb, Gebäude- und Liegenschaftsmanagement und Beschaffung. In welchem Handlungsfeld bietet sich der größte Hebel für nachhaltiges Handeln/Entwicklung? Welches Handlungsfeld birgt die größten Herausforderungen?

Das Projekt konzentriert sich auf diese fünf Handlungsfelder, da sie für eine öffentliche Landeseinrichtung wesentlich sind und sie sowohl im LANUV als auch in der gesamten Landesverwaltung hohe Verbesserungspotenziale aufweisen.

Aus meiner Sicht bieten sich im Bereich des Gebäude- und Liegenschaftsmanagements die besten Möglichkeiten für die schnelle Umsetzung von konkreten Maßnahmen für eine  nachhaltige und klimaneutrale Landesverwaltung. Die Landesbehörden nutzen mehr als 1.200 Gebäude im ganzen Land. Im LANUV wurde hier schon viel erreicht. Mit dem Neubau eines Büro- und Laborstandortes in Duisburg wurde ein neuer Maßstab für energieeffizientes Bauen von öffentlichen Gebäuden umgesetzt. So erfolgt hier die Energieversorgung z.B. durch Photovoltaik besonders umweltfreundlich. Durch die Berücksichtigung von weiteren Nachhaltigkeitsaspekten, wie unter anderem der Barrierefreiheit oder einer sehr guten Anbindung an den ÖPNV, wird eine Zertifizierung nach dem aktuellen Standard der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) erreicht. Sehr gute Erfahrungen hat das LANUV auch mit der Kampagne „mission E“ gesammelt. Durch gezielte Kommunikationsmaßnahmen und überschaubare praktische Maßnahmen, wie z.B. die Anschaffung von abschaltbaren Steckdosenleisten zur Reduktion des Stromverbrauchs der Arbeitsplatz-PC’s, konnte am Standort Essen eine Stromeinsparung am Arbeitsplatz von zehn Prozent erreicht werden. Weiterhin kann beispielsweise durch die naturnahe Gestaltung der Außenanlagen ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität geleistet werden.

Die größten Herausforderungen bestehen aus meiner Sicht im Themenfeld Beschaffung.

Hier sollten neben den haushalts- und vergaberechtlichen Betrachtungen auch ökologische und soziale Aspekte stärker berücksichtigt werden. Dies ist aber nicht verpflichtend. Wir haben im Verlauf des Projektes ein Informationsdefizit bei den Bedarfs- und Vergabestellen identifiziert. Für die Beschäftigten stellt sich die Frage wie solche Aspekte rechtssicher bei einer Ausschreibung berücksichtigt werden können. Wir haben daher in Kooperation mit der Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung beim Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums Schulungen im LANUV durchgeführt. Wann immer es passt und der Markt entsprechend aufgestellt ist, werden wir zukünftig versuchen unter Berücksichtigung und Anwendung von Nachhaltigkeitskriterien zu beschaffen.

Ein großer Teil des Projekts war die intensive Einbindung der Mitarbeitenden über Online-Umfragen, Workshops, Mitarbeiterforen o.ä.. Welche Erkenntnisse und Ergebnisse gingen aus dieser Einbindung hervor?

Mit aktuell rund 1.300 Beschäftigten aus den verschiedensten Fachdisziplinen und breiter Expertise in den Bereichen Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz gibt es im LANUV viel Fach- und Expertenwissen zu Nachhaltigkeitsthemen. Daher haben wir auf die Einbindung der Beschäftigten so viel Wert gelegt. Ziel der Partizipation war, diese Erfahrungen und das Wissen für die Entwicklung und Umsetzung des Nachhaltigkeitsprojektes zu nutzen. Eingebunden in die Entwicklung einzelner Maßnahmen wurden daher neben den Führungskräften vor allem die Beschäftigten selbst.Die Erfahrungen und das Wissen der Mitarbeitenden sind ein wesentliches Element zur Weiterentwicklung einer zukunftsfähigen Behörde und ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Das sorgt dann auch für eine effiziente Aufgabenerfüllung und steigert die Zufriedenheit der Beschäftigten. Daher möchten wir z.B. über ein niedrigschwelliges Ideenmanagement die Mitarbeitenden dauerhaft dazu anregen, Prozesse und Arbeitsabläufe genau zu betrachten, zu hinterfragen und ggf. Verbesserungsmaßnahmen anzuregen. Dabei sollen die Beschäftigten ihre Erfahrungen, Kenntnisse und Kreativität einbringen, um die Arbeitsbedingungen sowie die betriebliche Nachhaltigkeit dauerhaft zu verbessern.Anknüpfend an die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses, die Erfahrungen ausanderen öffentlichen Einrichtungen sowie den verschiedenen Standards des Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagements sowie der –berichterstattung wurde im Rahmen des Projekts ein Gesamtkonzept für eine „Nachhaltige Verwaltung der Zukunft“ entwickelt. 

Welche konkreten Maßnahmen folgen aus dem Projekt und dabei entwickelten Konzept für ein Nachhaltigkeitsmanagement im LANUV?  

Das entwickelte Konzept zum betrieblichen Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement soll nun im LANUV konsequent umgesetzt werden. Zur kontinuierlichen Verbesserung haben wir ein betriebliches Nachhaltigkeitsprogramm mit konkreten Maßnahmen und messbaren Zielen entwickelt. 

Erste Maßnahmen konnten bereits umgesetzt werden. So wurde beispielsweise das Pendlerportal als Fahrgemeinschaftsbörse für rund 7.400 Beschäftigte an ca. 90 Standorten in der Umwelt- und Wirtschaftsverwaltung eingeführt. Die Einführung dieser internen Plattform hilft, sowohl die Beschäftigten als auch die Umwelt und den Verkehr in Nordrhein-Westfalen zu entlasten. Eine Ausweitung des Angebots auf alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der gesamten Landesverwaltung ist beabsichtigt.

Weitere konkrete Umsetzungsmaßnahmen wurden durch das neu entwickelte Abfallwirtschaftskonzept für die unterschiedlichen LANUV-Standorte ermöglicht. So bleibt zukünftig die Abfallerfassung in den Büros auf die Abfallart Papier beschränkt. Die Beschäftigten entsorgen allen anderen Abfall an zentralen Sammelbehältern. Die Sitzungsräume sollen „abfallfrei“ bleiben. Durch diese Beschränkungen kann eine bessere Recyclingquote erreicht und der Aufwand bei der Entleerung der Sammelbehälter reduziert werden. Mit Hilfe von betrieblichen Abfallindikatoren werden die Entwicklungen bei den Abfallmengen, der Verwertung bzw. dem Recycling sowie den Entsorgungskosten mess- und vergleichbar.

Ein weiteres konkretes Umsetzungsbeispiel ist die Neuvergabe von Kantinenkonzessionen an zwei Standorten des LANUV. Diese öffentliche Ausschreibung wurde unter Berücksichtigung von verschiedenen Nachhaltigkeitskriterien realisiert und steht nun als gelungenes Umsetzungsbeispiel auch anderen Behörden zur Verfügung.

Sie haben das Nachhaltigkeitskonzept nicht nur für das LANUV entwickelt, sondern bieten dies als „Blaupause“ auch für andere Behörden an. Haben Sie bereits Anfragen von solchen Einrichtungen erhalten, die Ihr Nachhaltigkeitskonzept bei sich umsetzen wollen? 

Die Resonanz ist groß. Das hat auch die Abschlussveranstaltung zum Projekt am 13.02.2019 in den Düsseldorfer Rheinterrassen gezeigt. Hier wurden die Ergebnisse des Projektes vorgestellt.

Schon während des Projekts hat es viele Kontakte auch zu anderen Behörden gegeben. Es gibt grundsätzlich ein großes Interesse an dem Thema und dem Ansatz des LANUV. Bisher ist dies jedoch oft nur auf einzelne Umsetzungselemente und konkrete Maßnahmen beschränkt und verfolgt nur selten den systematischen und strukturierten Gesamtansatz eines betrieblichen Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagements. Ich bin mir aber sicher, dass unser Vorgehen andere zur Nachahmung anregt und stehe mit meinem Team daher anderen Behörden und Einrichtungen gerne beratend zur Verfügung. Alle Informationen und Unterlagen zum Projekt sowie die Vorträge der Abschlussveranstaltung werden auf der Projektwebseite veröffentlicht. 

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