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„Mit unserem Engagement können wir Vorbild für andere Städte sein“

Die Stadt Eschweiler wurde erst kürzlich mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2019 ausgezeichnet. Wir haben mit Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram über das nachhaltige Engagement der Stadt gesprochen, insbesondere in Bezug auf das Projekt „Global Nachhaltige Kommune“.

 

 

Herr Bertram, Eschweiler ist eine von 15 Modellkommunen, die im Rahmen des Projekts „Global Nachhaltige Kommune“ eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt hat. Was machen Sie genau? 

Wir sind derzeit mitten in einem Strukturwandel und stellen uns neu auf. Die Energiestadt Eschweiler befindet sich in einer Transformation –  weg von der Braunkohle, hin zur innovativen, zukunftsfesten Wirtschaft, die allen Menschen in Eschweiler eine auskömmliche und faire Arbeit bieten kann. Und dies über alle Qualifizierungsstufen hinweg. Zusätzlich werden wir die Arbeitsprozesse in der Verwaltung mit Fokus auf eine nachhaltige Stadtentwicklung in den Bereichen Städtebau, Soziales, Wirtschaft, Umwelt, Mobilität und Bildung bündeln sowie effektiver und effizienter gestalten. Die Nachhaltigkeitsstrategie ist dabei unser roter Faden in diesem Prozess, der offen für jede neue Entwicklung ist. Wir werden uns dabei zeitnah auf Veränderungen einstellen, um schnellstmöglich reagieren zu können.

Welche konkreten Ziele haben Sie sich gesteckt und wie stellen Sie Bürgerbeteiligung sicher? 

Zunächst setzen wir auf die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Eschweiler sowie auf die Sicherung und Schaffung attraktiver Arbeitsplätze und die weitere Ansiedlung innovativer, nachhaltiger Unternehmen. Außerdem wollen wir die Angebote für Familien weiter stärken, insbesondere noch mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen, Kitaplätze weiter ausbauen, Schulen fördern, ein integriertes Bildungskonzept erarbeiten und die Nahversorgung verbessern. Natürlich spielt der Umweltschutz auch eine große Rolle. Dafür werden wir die erneuerbaren Energien in unserer Region deutlich ausbauen. Unsere Bürger binden sich regelmäßig aktiv in Werkstätten, Quartiersforen oder Sozialraumkonferenzen ein. Wir übernehmen in Eschweiler außerdem Verantwortung für unser Handeln und wagen auch einen Blick über den Tellerrand hinaus. Durch die Kooperation mit der brasilianischen Regenwaldkommune „Alta Floresta“ setzen wir uns für eine wirtschaftliche und ökologische Entwicklung dort ein. Ein großes Problem ist die durch den Fleischkonsum bedingte Regenwaldzerstörung. Dort wollen wir ansetzen und die nachhaltige Entwicklung fördern. Die Potenziale dafür sind groß. 

Einige Kommunen des Projekts wie Dortmund, Unna oder Köln haben bereits sehr viel in Bezug auf ihr Nachhaltigkeitsengagement erreicht. Eschweiler ist noch ganz am Anfang. Welche Ziele setzten Sie sich für die nachhaltige Entwicklung in ihrer Stadt? Welche Rolle spielen dabei die Nachhaltigkeitsstrategie NRW oder die Nachhaltigen Entwicklungsziele der UN (SDGs)?

Zunächst fangen wir erst einmal klein an und setzen dann Schritt für Schritt die Ziele um, die wir uns in der Nachhaltigkeitsstrategie gesetzt haben. Dabei orientieren wir uns an den 

Nachhaltigkeitsstrategien auf Länder-, Bundes- und UN-Ebene. Zukünftig analysieren wir kontinuierlich die soziale, ökonomische und ökologische Lage der Stadt und stecken uns dann weitere Ziele. Durch konkrete Maßnahmen werden wir dann versuchen diese zu erreichen. Unser Engagement kann zwar nicht die Welt retten, wir leisten jedoch einen kleinen Beitrag und können so ein Vorbild für andere Städte sein. Unser Engagement in Brasilien zum Beispiel ist bislang sehr gut angekommen. 

Die beteiligten Städte und Gemeinden sind in Bezug auf ihre Größe, Einwohnerzahl und das bisherige Engagement sehr unterschiedlich. Inwieweit hilft hier der Austausch im Rahmen des Projekts „Global Nachhaltige Kommune“? 

Ein fachlicher Austausch auf Augenhöhe ist immer hilfreich. Wir konnten und können hier nur voneinander lernen, egal ob Großstadt oder kleine Kommune. Als Stadt mit keinerlei Erfahrung in Sachen Nachhaltigkeitsmanagement, globaler Nachhaltigkeit oder intensiver Bürgerbeteiligung haben wir bislang sehr viel gelernt. Und davon profitieren wir weiterhin. In Zukunft wollen wir auf einen Nachhaltigkeitsmanager setzen und so unsere Projektpartnerschaft mit Alta Floresta weiter fördern. 

Im Juni 2017 ist Eschweiler als „Fairtrade Town“ ausgezeichnet worden. Welche Maßnahmen setzt Ihre Gemeinde für den fairen Handel konkret um?

Die erste geplante Maßnahme war die Bereitstellung von fairem Kaffee im Rathaus. Außerdem bestehen Ideen, einen fairen Wochenmarkt zu organisieren und eine überregionale Fairtrade-Messe durchzuführen. Derzeit arbeiten wir zusätzlich intensiv mit der Bischöflichen Liebfrauenschule Eschweiler zusammen, die in diesem Jahr zum zweiten Mal zur Fairtrade-School ausgezeichnet wurde. Um diese Vorhaben gezielt umzusetzen, werden wir einen Nachhaltigkeitsmanager einstellen, der diese Aufgaben mit Leben füllen wird. 

Im September nahm Eschweiler am Wettbewerb „Stadtradeln“ des Klima-Bündnisses teil. Dieser soll die Bürger motivieren, öfter das Rad anstatt das Auto zu benutzen. Welche Maßnahmen ergreifen Sie zusätzlich für das Thema „nachhaltige Mobilität“ in ihrer Stadt? 

Derzeit erarbeiten wir für die ganze Stadt ein Mobilitätskonzept. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Förderung des Rad- und Fußverkehrs sowie des öffentlichen Personen- und Nahverkehrs. Die Bürger werden dabei intensiv mit eingebunden. Parallel wird die betriebliche Mobilität im Rathaus überarbeitet. Ziel ist es dabei, den Anteil des ÖPNV, des Fuß- und Radverkehrs an den Pendlerfahrten sowie Dienstfahrten deutlich zu erhöhen. Dafür wollen wir Mobilstationen einrichten und unser Carsharing-Angebot deutlich ausbauen. Außerdem ist ein Umdenken in der Stadtplanung erforderlich. Die Entwicklung städtebaulicher Strukturen soll nicht für Autos, sondern für die Menschen förderlich sein. 

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